Gedanken zum Jahreswechsel

2020 hat unser Seglerleben drastisch verändert. Bis Ende Juli fielen 18 Regatten aus. Einige konnten wir nachholen, andere fielen sowieso in die Zeit ab August, so dass wir immerhin auf acht veranstaltete und sieben gesegelte Regatten gekommen sind, bevor uns dann erneut ein Lockdown ausbremste . Höhepunkt war in diesem Jahr sicherlich die Internationale Deutsche Meisterschaft beim VSAW in Berlin mit 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sören Hese hat dabei sensationelle Fotos gemacht – Beispiel unten.

Start bei der IDM 2020

Jetzt gehen wir mit hoffnungsvollem, aber zwangsläufig auch realistischem Blick ins Jahr 2021. Die Winterpandemie wird uns wohl noch eine ganze Weile festhalten und ob aus der zweiten Welle eine dritte wird, kann man jetzt nur pessimistisch oder optimistisch – je nach Typ – einschätzen. Wie optimistisch die 2.4mR-Segler sind, zeigen sie bereits mit ihren Meldungen beim EssenRuhrCityCup Ende März. Vielleicht haben wir auch durch eigenes Verhalten letztlich mehr Einfluss auf den Verlauf, als wir glauben.

In jedem Fall optimistisch dürfen wir darüber hinaus die Entwicklung in unserer Klasse in Deutschland einschätzen. 15 neue, sehr aktive und regattafreudige Mitglieder haben wir in 2020 dazu gewonnen. Das hat uns deutlich über die Grenze von 100 Mitgliedern katapultiert. Damit sind wir in fünf Jahren um knapp 70 Prozent gewachsen. Zwar werden zum Jahresende 2020 drei (inaktive) Mitglieder ausscheiden, zum 1. Januar 2021 kommen aber bereits wieder zwei neue Mitglieder dazu. Und wir sind sicher, dass wir das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht haben. Der 2.4er hat für Seglerinnen und Segler in der zweiten Lebenshälfte als kleines Einhandboot mit unglaublichen Segeleigenschaften ein weiterhin großes Potential.

Eine Vielzahl bewährter Regatten wartet im nächsten Jahr auf uns. Die Triple Match Trophy sollte nach ihrem Ausfall in 2020 von den Veranstaltern der regulären Regatten wiederbelebt werden – so wie es ein Club bereits versprochen hat. Sie ist ein besonders attraktives Regattaformat mit Zuschauern und sachkundigen Erläuterungen durch einen Moderator.

Der Brexit-Deal gibt uns Hoffnung, dass unsere internationalen Verbindungen insbesondere zur britischen 2.4mR-Szene nicht abreißen werden. In einer ganz anderen Region macht ein französischer 2.4mR Weltmeister und Paralympics-Sieger Furore: Damien Seguin segelt in der Spitzengruppe der Vendee Globe im arktischen Pazifik. Seit Beginn der Regatta ist er unter den ersten Zehn. Augenblicklich hat er, auch im ständigen Kampf mit dem deutschen Boris Herrmann gerade wieder die Führung in der Verfolgergruppe hinter den ersten drei Konkurrenten übernommen. Eine unglaubliche Leistung, bei der wir dank Teletechnik live dabei sein können.

Damien mit 2.4mR (nur im Hafen) auf der IMOCA

Lasst uns viele schöne gemeinsame Stunden in unseren Booten auf der Regattabahn und gemeinsam an Land verleben. Bleibt vom Virus verschont und ansonsten

Mast- und Schotbruch 2021!

Sekretär Detlef, GER 99

2. Corona-Welle killt Münster-Cup

Sie hatten es so gut gedacht, die Organisatoren des Segel-Club Münster. Nachdem der Münster-Cup im Frühjahr wegen der 1. Corona-Welle ausfallen musste, hatten sie einen Termin spät im Jahr gewählt, um uns allen noch eine weitere Regatta zu bescheren. Leider zu spät.

Während im Berchtesgadener Land ab heute der regionale Lockdown gilt und die Kanzlerin uns inständig gebeten hat, von allen nicht wirklich notwendigen Kontakten abzusehen, haben die Freunde vom SCM den Münster-Cup erneut gecancelt. Jürgen Schwittai schreibt:

Liebe 2.4mR Seglerinnen und Segler,
gerne hätte der Segel-Club Münster euch zum Saisonende noch ein schönes Segelwochenende auf dem Aasee bereitet. Die Münsteraner 2.4mR Segler hatten sich viele Gedanken gemacht, wie man unter Corona Bedingung eine Regatta durchführen kann. Wir haben uns über mehr als 30 Anmeldungen sehr gefreut.
Die überall steigenden Infektionszahlen führen aber nun dazu, dass wir den 9. Münster Cup absagen müssen. Einige TeilnehmerInnen kommen aus Risikogebieten, Münster selber ist auch auf dem Weg zur ersten Warnstufe und nicht mehr weit von einem Inzidenzwert von 35 entfernt.
Die bereits überwiesenen Meldegebühren erstatten wir natürlich zurück. Sollte das Geld in den nächsten 2 Wochen nicht bei euch wieder auf dem Konto sein, meldet euch bitte unter regatta@segel-club-muenster.de.
Wir hoffen auf euer Verständnis und werden in 2021 einen neuen Anlauf starten, den 9. Münster Cup auszutragen.
Bleibt gesund, pflegt euch und eure Boote!
Eure 2.4mR Crew vom Aasee

Damit endet eine außergewöhnliche Segelsaison, die erst Anfang August begann. Sechs Regatten konnten unsere Mitglieder segeln, davon vier in Deutschland, eine in Italien und eine in Österreich. Das ergibt denn auch eine Rangliste 2020, die einen würdigen Sieger kürt!

Euro ohne Segeln

In Travemünde sollte sie in dieser Woche stattfinden, die Europameisterschaft 2020 unserer Klasse. Über 60 Meldungen lagen bereits vor. Dann kam Corona und alles musste abgesagt werden.

Unterkünfte waren aber natürlich schon gebucht und Angelika und Henry Mothes sowie Marianne und Wolfgang Grupe (auch mit Maske, aber hinter der Kamera) haben diese Buchungen jetzt wahrgenommen. So trafen sie sich in Travemünde zum Urlauben statt zum Regattieren. Auch schön …

Ein Stück Normalität

Am 8. Mai war in Berlin ein Feiertag. Hildegard und Kalle Dehler kamen von Freitag, 8.5., bis Sonntag, 10.5., mit 2.4 und Fahrrädern zu uns nach Berlin – der Besuch war nach kleinen Lockerungen der Corona-Beschränkungen wieder erlaubt. Ebenso das Segeln unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen. Alles geschah also total legal. Prognostiziert war Sommerwetter. 

Am Freitag segelten Kalle und ich bis zum letzten Büchsenlicht und kamen mit dem allerletzten Windhauch wieder zurück. Am Samstag war totale Flaute, die erst nur wir beiden Männer für eine große Radtour nutzten. Unsere Damen konnten vormittags leider nicht mit, sie hatten andere Verpflichtungen. Aber am Nachmittag wurde dann zu viert gestrampelt, inklusive Kreuzfahrten mit der Autofähre. 

Am Sonntagvormittag nutzten Kalle und ich die angenehme Brise für eine Runde auf der Oberhavel bis an deren Ende am Niederneuendorfer See. Kaum war Kalles „Happyend“ verladen und die beiden hatten gerade mit ihrem Camper die Heimreise angetreten, da endete das schöne Sommerwetter mit lang ersehntem Landregen mit einer Dauer von rund 26 Stunden.
Es war ein wunderschönes langes Wochenende mit Segeln und Radeln. 

oft unbekannte Seiten des Tegeler Reviers mitten in Berlin

Bleibt gesund und besten Gruß,

Poldi Käther, GER 123

Saisoneröffnung

Wir wollten wissen, wer jetzt schon mal Gelegenheit hatte zu segeln. Die ersten Berichte sind eingetroffen. Sie werden hier chronologisch geordnet, auch wenn noch Berichte folgen.

Greifswald – 18. April 2020

Kalle Dehler berichtet, dass seine „Shore crew“ Hildegard den ersten Schlag gemacht hat: „Da kommt in diesen Zeiten das Lächeln zurück!“

Tegeler See – 02. Mai 2020

Poldi Käther hat mit Sohn gestern das Schiff aufgebaut und heute die Saison ist eröffnet: „Vormittags bei herrlichem Wetter fast 3 Stunden lang ganz allein auf weiter Flur (auf dem See). 10 Minuten vor Wolkenbruch Boot wieder an Land und zugedeckt. Just zuhause goss es wie aus Kübeln! Unterwegs viele Wasservögel und Seeadler!!! beobachtet. Bin richtig begeistert!“

Elbe bei Stade – 3. Mai 2020

Familie Sabine, Tim und Christoph Trömer starteten ihre Saisoneröffnung auf der Elbe bei Stade.

„Das ist schon ein besonderes Revier. Bei ablaufendem Wasser und leichtem Nordwestwind steht man vor dem Wind fast auf der Stelle. Nach dem Runden einer Fahrwassertonne wird man vom Strom auf der Kreuz regelrecht in Richtung Cuxhaven geschossen. Die Schwingemündung nicht zu verpassen, war also schon nicht unwichtig. Und prompt haben wir beim Aufkreuzen in der Schwinge bei Flaute und ablaufendem Wasser den rechten Zeitpunkt bzw. genug Wasser unter dem Kran verpasst. D.h. ungefähr 2h nach Niedrigwasser (ca. 21 Uhr) fahren wir zum Kranen noch einmal in den Hafen. Aber das Segeln selbst war schön….wie immer.“

Sabine, Tim und Christoph

Steinhuder Meer – 3. Mai 2020

Ohne Bildbeweis berichtet Heiner Forstmann von seinem Ersterlebnis: „Habe heute in Steinhude wunderschön gesegelt gegen GBR 27. 3 Stunden bei 3 bis 4 Bft.
Nächste Woche geht es weiter.“

Almühlsee – 8. Mai 2020

Rudi Scheurich meldet: „Heute den ersten Schlag in diesem Jahr auf dem Altmühlsee gesegelt, schöner Wind, nur noch ein Figther auf dem Wasser, herrlich !“

Im
2.4mR-Rekord-Buch 2020
steht

Hildegard Dehler

ganz oben!

Die Smarten segeln im Garten

Soll keiner sagen, es gibt nicht noch Segelpotentiale in Corona-Zeiten. Ulli Libor macht es vor.

Er baut zur Zeit seinen neuen Super3 aus und nimmt schon mal einige Segelminuten im Garten.

Ulli, angespannt vor Wind

Kurze Zeit nach dieser Aufnahme kam eine Bö mit 5Bf und brachte den Hänger drei Meter weiter nach vorne. 🙂 Aus diesem Grund hat Ulli auf der Kreuz dann lieber einen Platz außerhalb des Bootes gesucht.

Ulli, trimmend auf der Kreuz

In jedem Fall hat sich bei bestem Wetter Segelfeeling eingestellt. Jetzt sind wir alle gespannt, wie das Schiff innen aussieht und welche innovativen Beschlagsanordnungen zu sehen sein werden. Er hat versprochen, uns auch davon Bilder zu zeigen. Danke aber schon mal vorab für diesen tollen Einblick vom Segeln des Smarten im Garten mit dem nagelneuen Schiff!

Corona revolutioniert Regattasegeln

Alle vier Jahre werden die Internationalen Wettsegelbestimmungen an neuere Entwicklungen angepasst. Das geschieht seit Jahren im Anschluss an die Olympischen Spiele. Im Jahre 2020 fallen diese nun aus, werden aber 2021 als Olympia 2020 nachgeholt.

Bald ausgedient

Bei Word Sailing wird aber bereits intensiv an den neuen Regeln gearbeitet, die auch die Corona-Pandemie berücksichtigen sollen. Dabei geht man davon aus, dass wir – wo auch immer auf der Welt – zumindest in den nächsten vier Jahren mit größtmöglicher Vermeidung von Ansteckungen segeln sollten.

Aus der vorbereitenden Arbeitsgruppe bei World Sailing, die in Videokonferenzen tagt, sickerten die ersten Ergebnisse durch.

Eines der obersten Prinzipien der neuen Wettsegelbestimmungen wird boat distancing sein. Regel 14 Berührung vermeiden bleibt daher erhalten und wird wohl noch einmal verschärft. Ansonsten gilt für fast alle Situationen eine Drei-Längen-Abstands-Regel.

Im Einzelnen sieht das – wie folgt – aus:

Start

Der Start ist die schwierigste Phase, da hier die Bootsnähe für fast alle Boote am größten ist. Zwei Varianten werden diskutiert.

Variante 1 nacheinander starten

Bei dieser Variante wird die Startreihenfolge ausgelost und die Boote im Drei-Minuten-Takt auf die Bahn geschickt. Beim Zieleinlauf werden die Zeiten verrechnet.

Variante 2 in Bahnen starten

Wie bei Ruder-Regatten werden im 45 Gradwinkel zur Startlinie nebeneinander liegende Bahnen mit drei Bootslängen Abstand zueinander ausgetonnt. In diesen Bahnen müssen die Boote zur Startlinie fahren. Wenn mehrere Boote in einer Bahn fahren wollen, müssen die hinteren jeweils drei Bootslängen Abstand halten.

Kreuz

Alte Regeln – jetzt neu

Auf der Kreuz gilt weiterhin die Regel 10: Boote mit Wind von Backbord müssen sich von Booten mit Wind von Steuerbord freihalten. Ein Unterwenden, um die sichere Leestellung zu erreichen, ist weiterhin – auch ohne Drei-Bootslängen-Abstand –  möglich (diese ist dann in zweifacher Hinsicht sicher: einmal hat das Luvboot in der Regel keine Chance aufzuholen, zum anderen treffen die möglichen Viren des Leebootes nicht die Mannschaft des Luvbootes).

Völlig neu wird die „Mast-quer-ab“-Regel sein (die es früher bereits einmal in anderer Form gab): Sofern ein Boot in Luv ein Leeboot im Drei-Bootslängen-Abstand überholt, muss der Steuermann in Lee „Mast querab“ rufen, wenn sich der Mast des Luvbootes querab von seiner normalen Sitzposition befindet. Das Luvboot hat dann unverzüglich zu wenden (und sich somit vom Leeboot zu entfernen).

Vorwind

Vorwind muss ein nachfolgendes Boot stets den Drei-Bootslängen-Abstand halten, darf sich also einem vorderen Boot nicht weniger als drei Bootslängen nähern, es sei denn es hält auch seitlich diesen Abstand ein.

An den Bahnmarken

Völlig neu werden auch die Regeln an den Bahnmarken gestaltet. Grundsätzlich müssen auch beim Runden der Bahnmarken seitlich und nach vorne die Drei-Bootslängen-Abstände eingehalten werden. Es gilt weiterhin Regel 18.2, dass das außenliegende Boot dem innenliegenden Boot Raum geben muss. Allerdings muss der Außenlieger nun einen weiten Bogen fahren, um den Drei-Bootslängen-Abstand einzuhalten. Um hier eine Alternative zu schaffen, werden sowohl als Luv- wie als Leebahnmarken je nach Teilnehmerfeld mehrere Tonnen parallel verlegt, die gerundet werden können. Das bisherige Verfahren des „Tores“ in Lee wird also einfach vervielfacht.

Generell

Da der Drei-Bootslängen-Abstand so konstituierend für fast alle Regeln ist, soll er durch Schiedsrichter per Tracking kontrolliert werden.

Ohne Frage sind das einschneidend neue Regeln, die das Regattasegeln auch taktisch revolutionär verändern. Aber so ist es ja bereits und wird es auch in Zukunft mit unserem sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben sein. Solange wir mit den neuen Regeln wieder „um die Tonnen segeln“ können, soll es uns recht sein.

Neue Olympia-Chance für 2.4mR

Und auch weitere Überlegungen scheinen für uns sehr vorteilhaft zu sein. Word Sailing überlegt, das Mannschaftssegeln vorerst zu unterbinden. So sollen die Olympischen Segelwettbewerbe nur noch in Einhand-Klassen ausgetragen werden. Da werden wir mit dem 2.4mR demnächst neben Contender, Finn, Laser und Opti (für Kinder ab 12 Jahren wie beim Turnen) sicherlich auch olympisch. Wie immer – jede Krise hat auch ihre Chancen!

Segeln unter Corona

Unser aller Leben verändert sich gerade grundlegend. Sowohl soziales wie auch wirtschaftliches Leben brechen vorerst einmal weitgehend zusammen. Da bleibt auch unsere Regattasegelei nicht ausgespart.

Der EssenRuhrCityCup 2020 ist abgesagt. (17.15Uhr)

Der MünsterCup 2020 ist ebenfalls abgesagt. (18.30 Uhr)

Der BerlinCup 2020 findet vorerst statt.
Entscheidung spätestens zum Meldeschluss.

Siehe hier

Die Gründe sind verständlich. Wir segeln zwar allein auf dem Wasser. Abendliches Beisammensein, (mögliche) Protestverhandlung, Preisverteilung finden aber jeweils gemeinsam statt. Und bei einer Regatta mit so viel auswärtigen Teilnehmern kann man die Segler abends nicht nach Hause schicken. Das Risiko kann der Veranstalter nicht tragen.

Für den ERCC gibt es aber bereits einen Ersatztermin. Der EssenRuhrCityCup 2020 soll nun vom 28.-30. August stattfinden.

Wir können uns vorstellen, dass es zu so einer Maßnahme die unterschiedlichsten Meinungen gibt. Ihr könnt Sie ja hier einmal rauslassen.

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