Die Weltmeisterschaft 2019 in Genua

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Noch immer stecken mir die 16 Stunden Heimfahrt in den Knochen.

Was macht man nicht alles um mit ein paar Gleichgesinnten aus aller Welt ein bisschen im Kreis zu segeln.

So kann man es formulieren…Man kann aber auch sagen, dass man sich auf den Weg gemacht hat um eine Woche intensivstes Segeln vor spektakulärer Kulisse in einer meistens entspannten Atmosphäre erleben zu dürfen.

Das trifft es besser!

Nun habe ich als drittplatzierter Deutscher das Schreiben dieses Berichts gewonnen. Man möge mir also die recht persönliche Sichtweise auf diese Veranstaltung verzeihen.

Da wir diesen Ausflug als Familienausflug geplant hatten, waren wir unter den ersten, die in Genua ankamen. Müde von der nervigen Fahrt im Dauerregen waren wir froh, dass wir die Boote unter einem Dach auf einem vermeintlich sicheren Gelände abstellen durften.

Im Dunkeln erahnte man schon einmal die Dimensionen des Messegeländes von dem aus die WM stattfinden sollte. Überrascht waren wir auch, wie bergig die Stadt angelegt oder sollte man besser sagen, gewuchert ist.

Unsere Unterkunft lag zwar fußläufig erreichbar, es waren aber eben auch gefühlte 100 Höhenmeter zu überwinden. Mit Tim als Rollifahrer hat uns das im Laufe der Tage ziemlich gefordert. Aber wir hatten ja einen aktiv-Urlaub gebucht.

Der erste Trainingstag ließ dann schon erahnen, dass es mit dieser Welle bei vergleichsweise schwachem Wind ein anspruchsvolles Segeln werden würde. Der komplette Gegenentwurf zur IDM in Essen.

Dann trudelten langsam alle restlichen Teilnehmer ein und die lästige Prozedur der Anmeldung und Vermessung verbrauchte den ganzen Sonnabend. Hier ergaben sich Verzögerungen, weil das Wiegeequipment doch nicht ganz den Herausforderungen gewachsen war.

Die genauen Details sind mir entgangen, weil ich mit einer Behelfsreparatur meiner Handpumpe zu sehr beschäftigt war. Der erhoffte Originalgummibalg wurde inklusive einiger nutzloser Entschuldigungen doch erst am vorletzten Tag der WM persönlich aus Finnland angeliefert.

Versprochen war eine Postsendung.

Bei diesen Bedingungen hat mich das dann doch gezwungen das dritte Rennen gar nicht zu starten. Ärgerlich war das schon….

Dann gab es am Sonntag noch einen guten Trainingstag und am Montag das Practice Race welches wegen Flaute und 180° Winddreher abgebrochen wurde. Ein paar enttäuschte Gesichter waren schon zu sehen.

Am Dienstag sollte die WM dann aber endlich starten…. es gab aber erst einmal heftigen Starkwind und sogar von Land aus beeindruckende Wellen. Niemand hat gemeckert, dass er nicht segeln durfte.

Am Mittwoch ging es dann aber wirklich los. Windfinder versprach 5-6 kn. Hoffentlich wird nicht wegen Flaute abgebrochen, dachte ich noch.

Stutzig machte mich, dass einige Boote der auslaufenden Flotte wieder zurück kamen. Hinter der Mole wusste ich warum. Statt der 5-6 gab es 15-16 kn Wind mit entsprechender Welle….hoppla schmeckt das Wasser hier salzig. War ich froh mich doch für den Troko entschieden zu haben.

Das erste Rennen lief ganz manierlich…am Ende Platz 15.

Im zweiten Rennen unterlief mir ein Fehler den ich am letzten Tag auch noch wiederholte: Nach einem recht passablen Start in Lee entdeckte ich viel zu spät, dass ich die linke Anliegelinie meilenweit übersegelt hatte. Also mit offenen Segeln und mächtig Groll im Bauch runter zur Luvtonne.

War ich nur zu blöd oder zu blind oder lag die Tonne wirklich viel zu weit rechts?

Wenigstens war ich dabei nicht allein.

Überhaupt war bei dieser WM ein gewisses Favoritensterben nicht wegzudiskutieren. Als Gründe wurden meist Bruch und Pumpenversagen, aber auch diverse Frühstarts angegeben. Das traf neben Heiko auch einige bekannte Namen vor allem aus Schweden.

Am zweiten Tag gab es etwas moderatere Winde. Dafür wurden alle, die rausfuhren am letzten Tag noch einmal richtig gefordert. So hohe Wellen habe ich in meiner Sandwich-Nussschale noch nicht erlebt. Nicht nur ich habe dabei wie wild ums obenbleiben gepumpt.

Nicht alle der ca. 47 Boot haben es an diesem Tag geschafft.

Am Ende hat Megan mit einer beeindruckenden Leistung diese WM gewonnen… sie hat einen dritten Platz gestrichen!!! Aber auch Marko Dahlberg und Fia Fjelddahl haben mich beeindruckt. Es sind eben immer Leute vorn dabei ,die das Wörtchen „hätte“ nicht nötig haben.

Verdiente Sieger v.l.: Marko Dahlberg (Vize), Megan Pescoe (Weltmeisterin), Fila Fjelddahl (Dritte)

Bis auf den hässlichen Zwischenfall als randalierende Discobesucher Fahrräder gestohlen, in Zelte eingedrungen und sich auch sonst ziemlich daneben benommen haben, war ich von der italienischen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sehr angetan.

Das nette entspannte Miteinander im deutschen Team möchte ich aber auch nicht unerwähnt lassen. Neben abendlichen Restaurantbesuchen half man sich wo man konnte.

Die Rückfahrt fand dann wieder im Dauerregen statt. Das kannten wir ja schon. Es waren intensive Tage bei beeindruckenden Bedingungen. Wir haben wieder dazugelernt. Uns hat es sehr gefallen. Wir werden diese WM lange in Erinnerung behalten.

Kommt gut über die dunkle Jahreszeit.

Christoph Trömer, GER 5

Alle Ergebnisse hier.

Und dann gibt es noch einen Bericht von Poldi´s Sohn unter

https://joersfelder-segel-club.de/JSC_aktuell.html#2304

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3 thoughts on “Die Weltmeisterschaft 2019 in Genua

  • Poldi

    Hallo 2.4er Gemeinde!
    Ich möchte dem Bericht von Christoph hinzufügen, dass die Bedingungen bei dieser WM wirklich herausfordernd waren. Der Präsident des YCI meinte dann auch bei der Preisverleihung, dass es vor allem für Segler von Binnenseen wohl ungewohnt war. Dem kann ich nur zustimmen. Aber WR 4 legt jedem Segler die Entscheidung zu starten selbst ans Herz. Am letzten Tag wollte ich eigentlich mitsegeln. Schon in der Hafeneinfahrt kamen mir Bedenken, hoffte aber auf für mich segelbare Bedingungen weiter draußen. An der Startzone angekommen musste ich aber einsehen, dass es für mich nicht zu schaffen war, ohne mich und andere zu gefährden oder Schäden am eigenen oder anderen Booten zu riskieren.
    So drehte ich um zurück in den Hafen. Auf dem Weg dorthin wurde mir klar, wie perfekt der Veranstalter die Sicherung der Teilnehmer garantierte. Eine Stafette von RIBs sicherte den Weg, man wurde von einem Boot an das jeweils nächste übergeben, alle beobachteten einen und fragten hin und wieder, ob man Hilfe benötigte. Das war wirklich super.
    Kurzum, es war eine tolle WM, super organisiert, perfekte Bedingungen, würdige Sieger.
    Ich war rundum glücklich, wenn auch mein Endergebnis natürlich nicht das Gelbe vom Ei ist.
    Es war eine unvergessliche Erfahrung, solche Bedingungen waren vermutlich nicht nur für mich neu. Der 2.4er ist unglaublich zu segeln, das schwache Glied ist der Mensch der drinne sitzt.
    Kommt gesund über den Winter
    Lieben Gruß, Poldi

  • Rudi GER 793

    Poldi, Du bist ein toller Segler !
    Wenn man einsieht, dass es für einen selbst nicht passt, alle Achtung !
    Gott sei Dank waren wir nicht in Genua, ich hätte die Hosen gestrichen voll gehabt.
    Ansonsten herrliche Bilder, eine Werbung für die 2.4.

    Liebe Grüße an alle.

    Rudi

  • Jörg Feder

    Hallo Christoph,
    das mit der „ganz persönlichen Sichtweise“ ist in meinen Augen sogar erwünscht. Wer am Ergebnisdienst interessiert ist, schaut sowieso täglich auf die Wertungslisten. Mich interessiert eher die Frage: „Na, wie wars da unten?“ Und die hast Du doch gut beantwortet.
    Kannst gern wieder Dritter werden.

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