Gävle 2018 – offene WM im schwedischen Sommer

Acht Segler, die nach der Kieler Woche noch Lust und Zeit hatten, sich in einem internationalen Feld zu messen, machten sich auf die lange Reise nach Gävle. Eingebettet in einen dreiwöchigen Jahresurlaub lockte das schwedische Ostseerevier mit Sommerwetter und einigen Tagen Segelspaß. Es waren insgesamt 72 Boote am Start – ein stark skandinavisch geprägtes Feld, Schweden, Finnland und Norwegen waren sehr stark vertreten. Deutschland, Großbritannien und Australien folgten, Russland, Polen, Czechien und die Niederlande stellten die kleineren Mannschaften.

Bei der Ankunft wurden wir nett empfangen, konnten sogleich kranen und mussten dann feststellen, dass wir nicht genug Fender im Gepäck hatten. Die knappe Stegsituation erforderte, dass die Boote sich zu einem Drittel überlappten. Vor Ort waren die Fender nicht einfach zu beschaffen. Dank der noch anreisenden Segler waren dann am Ende genug verfügbar. Die Vermessung durch Keith Gordon verlief in diesem Jahr schnell und einfach; dafür wurde angekündigt, dass die Jury täglich drei Boote auswählen wird, die dann nach der letzten Tageswettfahrt kontrollvermessen werden. Soweit ich weiß, hat es keinen Vermessungsprotest gegeben, alles war in Ordnung.

Zur Einstimmung hatten wir dann am Montag das Practice Race. Die Überraschung war, dass wir ca. 5-6 nm Anfahrt zur Startlinie auf Areal C, dem Hauptkurs, hatten, also sind in der Woche allein 60 nm für An- und Abfahrt einzuplanen dazu 13 geplante Läufe a 4nm – es bestand also die Chance 112 nm in einer 2.4mR zurückzulegen. Man war deswegen gut beraten, ausreichend Proviant zu bunkern und entsprechende Klamotten an Bord zu haben.

Seglerisch war es wie so häufig, die netten Mitsegler mit denen uns an Land so vieles verbindet, worüber wir gern miteinander fachsimpeln, verfielen schlagartig in den Racemodus – Tunnelblick und Messer zwischen den Zähnen. Der immer wiederkehrende Kampf um die beste Position an den Tonnen machte dies eindrücklich klar, wenn 30-40 Boote gleichzeitig die passende Lücke suchen, gibt’s kein Pardon. Dies geschieht übrigens altersunabhängig, denn viele der skandinavischen Mitsegler sind echte Salzbuckel; sie haben oft sieben und mehr Jahrzehnte im Kielwasser – beeindruckend. Segeln, bzw. Regattasegeln ist wohl auch ein Lebenselixier das fit hält. Ich ziehe ehrfürchtig meinen Südwester.

Die ersten Läufe waren geprägt von der bauchigen Fock, leichten Schoten und Tonbandfäden in den Wanten. Dies sollte sich im Laufe der Woche ändern. Der Wind baute sich mehr und mehr auf, Donnerstag waren es schon über 25kn und am letzten Tag kamen wir bei etwas unter 30kn vom Wasser. Je stärker der Wind, desto unangenehmer die lokale Welle – kurz und hoch. (Deshalb gingen schon einige nicht mehr an den Start.) Mancher hatte Sorge, ob er nach dem letzten Zieldurchgang sicher vor dem Wind durch die Jetty‘s an der Hafeneinfahrt kommen würde. Dies gelang wohl am Ende allen. Materialschäden waren dennoch zu beklagen – hier ein Mast, dort ein Segel. Ich selbst habe nun auch Anlass ein neues Großsegel zu ordern – die Großschot war nicht schnell genug dichtgenommen und der Whiskerpool suchte sich seinen Weg.

Statt des Anlegebiers gab’s täglich gegrillte Würstchen; Bier dann für etwas mehr Euros als für uns normal im Zelt. Dort hatte der veranstaltende Segelklub alle zwei Tage für das Sozialdinner und täglich für Livemusik gesorgt. Hier haben wir die australische Sängerin Tania Doko erlebt – eine unglaubliche Stimme. Schade nur, dass die gesamte Seglercommunity schon in den Federn lag, Klötzing‘s und Schröder’s konnten somit ein Privatkonzert genießen.

Am Ende dieser Woche setzten sich die Helden von immer durch: Stellan gewann zum x. mal den Titel, gefolgt von Megan und Marko, dann viele bekannte Gesichter, die auch immer vorne mitsegeln – einige von den Seniorchefs darunter. Wir neun haben uns dann etwa in der zweiten Hälfte breit gemacht, angeführt von Stefan auf Rang 35 als bestem Deutschen, folgten alle anderen nach und nach. Schade, wir hätten einzeln und als Nation wohl etwas besser abschneiden können. Wenn die Anzahl an deutschen Teilnehmern der Breite und Qualität der in unserer Klassenvereinigung vertretenen Segler mehr entsprochen hätte, wäre das wohl auch gelungen. So bleibt die Hoffnung auf die nächste offene WM um die jüngste Entwicklung der deutschen Klassenvereinigung der 2.4mR eindrucksvoll zu präsentieren. Ich hörte, diese soll im Oktober des nächsten Jahres vor Genua ausgesegelt werden.

Insgesamt hatten wir eine gute Woche im schwedischen Sommer mit schöner und anspruchsvoller Segelei. Am Ende sah es für uns nach 10 Wertungsläufen so aus: Stefan 35., Holger 38., Lutz 45., Andreas 50. Peter 52., Burkhard 60., Sabine 70. und Michael 71.

Die vollständigen Ergebnisse findet Ihr unter: http://wc24mr.com/index.php#data-fancyboxres

Lutz-Christian Schröder, GER 34

19.08.2018

 

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Wieder ein schöner Bericht?

Danke für Deine Abstimmung!

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